Reden mit Humor (Teil 9)

Die lustige Hochzeitsrede des Brautvaters

Wer als Vater der Braut eine Hochzeitsrede halten muss, fühlt sich oft so, als würde er spät am Abend in die Privatgemächer der Queen von England bestellt. Sicher ist es eine große Ehre. Doch wirklich wohl ist ihm nicht bei der Sache.

Mulmig ist es vielen Hochzeitsrednern zu Recht. Denn die Ansprüche, die vom Brautpaar und den Gästen an die Hochzeitsrede des Brautvaters gestellt werden, sind hoch. Oft sind sie zu hoch.

(Hier gibt es humorvolle Formulierungen für Hochzeitsreden.)

Geistreich soll die Hochzeitsrede sein, aber auf keinen Fall trocken oder altmodisch. Wenn möglich soll die Rede die Gäste zu Tränen rühren, dabei aber auch locker und gelassen daherkommen. Ach ja, und kräftig gelacht werden soll bei der Rede natürlich auch.

Brautväter, die sich mit allen diesen Ansprüchen im Kopf an ihren Computer setzten, um eine lustige Hochzeitsrede zu schreiben, erwartet in den meisten Fällen ein Frusterlebnis – vor allem wenn sie mit dem Schreiben von Reden wenig Erfahrung haben.

Ein einfacher Weg, Enttäuschungen zu vermeiden, besteht darin, sich zu Beginn erst einmal überlegen, welche Funktion die Rede haben soll. Was soll die Botschaft der Hochzeitsrede sein?

Die Hochzeitsfeier ist eines der wenigen uralten Rituale, die bis heute praktiziert werden. Damals wie heute ist es ein Brauch, mit dem die Verbindung zweier Menschen besiegelt und gefeiert werden soll. Hochzeitsreden wurden bereits im alten Griechenland gehalten und sind bis heute ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

In alten Zeiten bedeutete die Verbindung von Braut und Bräutigam meist einen gravierenden Einschnitt in die sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen der Brautleute und ihrer Familien. Mitgiften wurden gezahlt, Besitztümer aufgeteilt, Allianzen geschmiedet, Erbfolgen festgelegt und vieles mehr.

Hochzeitsreden hatten im Rahmen des Rituals eine wichtige Funktion. Hier wurden Ziele und Maßregeln der neuen Verbindung vorgegeben. Heute sind die mit der Ehe verbundenen Einschnitte zwar bei weitem nicht mehr so umfassend.

Doch immer noch sind mit einer Hochzeit Veränderungen verbunden. Für Braut und Bräutigam zum Beispiel beginnt mit der Ehe ein neuer Lebensabschnitt. Meist entfernen sie sich ein Stück weit von ihren Eltern und Verwandten und gründen eine eigene Familie.

Die Ehe macht die Braut zu einem Mitglied der Familie des Bräutigams und umgekehrt. Oft bergen diese neuen Verbindungen Konflikte, zum Beispiel zwischen den Familien von Braut und Bräutigam oder zwischen den Ehepartnern und den jeweiligen Schwiegereltern.

Wann immer Veränderungen auftreten, wünschen sich die Menschen, die von diesen Veränderungen betroffen sind, dass jemand aufsteht und Vorschläge unterbreitet, wie man mit diesen Veränderungen umgehen sollte.

Das gilt auch für die Rede des Brautvaters auf einer Hochzeit. Kurzum: Das Publikum erwartet von einer Hochzeitsrede, dass sie klare Botschaften hat.

Dabei gibt es Botschaften, die in jede Hochzeitsrede zwingend hineingehören. Der Brautvater muss den Schwiegersohn in seiner Familie willkommen heißen. Das ist ein offizieller Akt, den es zu beherzigen gilt. Ebenso sollte jeder Brautvater zum Ausdruck bringen, dass er stolz auf seine Tochter ist und sich über ihr Glück freut.

Weitere Botschaften der Hochzeitsrede ergeben sich aus der speziellen Familiensituation und aus den Verhältnissen der beteiligten Personen untereinander. Erst wenn die Botschaften feststehen, beginnt die Suche nach witzigen Hochzeitssprüchen und lustigen Zitaten für die Hochzeitsrede. Denn Witz und Humor sind lediglich Stilmittel, die der Redner einsetzt, um dem Publikum seine Botschaft näherzubringen. Sie sind kein Selbstzweck.

Vor allem der Humor hat in Hochzeitreden eine wichtige rhetorische Funktion. Denn die Prise Witz in der Rede sorgt dafür, dass die Rede nicht zu ernst oder zu schmalzig daherkommt. Ebenso träg der Witz dazu bei, dass Komplimente nicht übertrieben wirken.

Ein Beispiel: Der Redner will zum Ausdruck bringen, dass er den Bräutigam für den bestmöglichen Ehemann für seine Tochter hält. Dies einfach auszusprechen, könnte langweilig und oder gar anbiedernd zu klingen. Also verknüpft der Redner diese Botschaft seiner Hochzeitsrede mit einen Witz.

„Ich bin ganz sicher: Peter wird meiner Tochter ein wunderbarer Ehemann sein. Er ist ehrlich, aufrichtig, fair und ein richtig guter Teamspieler – was man kaum für möglich hält, wenn man bedenkt, dass Peter Fan des FC Bayern ist.“

Oder:

„Ich muss gestehen, ich habe ein Problem mit Peter. Das liegt insbesondere an einer Entscheidung, die er vor einiger Zeit getroffen hat. (Pause) Ich spreche von seinem Entschluss, mir meine Tochter wegzunehmen. Das missfällt mir zutiefst. Davon abgesehen ist Peter ein großartiger Typ. Ich bin ganz sicher: Er wird Michaela ein wunderbarer Ehemann sein.“

Gerade beim Einsatz von Humor werden in Hochzeitsreden die meisten Fehler gemacht. Redner wollen Witze machen, um komisch zu sein, nicht um den Zuhörern etwas mitzuteilen. Das Ergebnis davon ist in der Regel eher albern als lustig.

Wer keine klare Botschaft hat, der beginnt seine Rede möglicherweise mit einem lustigen Hochzeitsspruch, gibt danach ein paar Anekdoten aus der Kindheit der Braut zum Besten und endet mit einem humorvollen Hochzeitszitat, das er im Internet ausgebuddelt hat. Was das alles soll, verstehen die Zuhörer nicht. Nach zehn Minuten klatschen sie dennoch höflich, hauptsächlich weil sie froh sind, dass die Rede endlich vorbei ist.

Einem Hochzeitsredner mit einer klaren Botschaft passiert dieser Fehler nicht. Er legt von Anfang an den Schwerpunkt auf die Aussage seiner Hochzeitsrede. Darum weiß er, welche Hochzeitssprüche und Anekdoten zur Botschaft passen und welche er besser weglassen sollte. Ist die richtige Botschaft einmal gefunden, lassen sich Hochzeitssprüche, Zitate oder Anekdoten daran aufreihen wie Perlen an einer Schnur.

Wichtig ist es, kritisch zu hinterfragen, welche Sätze die Botschaft wirklich unterstützen. Alles was nicht genau passt, gehört nicht in die Hochzeitsrede hinein. Dazu gehören insbesondere Floskeln wie „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ oder „ich habe nicht eine Tochter verloren, sondern einen Sohn gewonnen“. Solche Sätze haben nur geringe Aussagekraft, besitzen dafür aber ein großes Potential, die Zuhörer zu langweilen.

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Reden mit Humor (Teil 8)

Reden zum politischen Aschermittwoch

Die ideale Rede zum politischen Aschermittwoch ist zugleich deftig und witzig. Auf die richtige Mischung kommt es an. Doch der Balanceakt zwischen kernig und komisch gelingt nur selten. Die meisten Redner versuchen, einen Mangel an Komik durch ein Überangebot an Derbheit auszugleichen.

Obwohl viele der Reden brachial und wenig originell sind, erfreut sich der politische Aschermittwoch in Deutschland und vor allem in Bayern großer Beliebtheit. Die Wurzeln dieser ungewöhnlichen Politikveranstaltung liegen im 16. Jahrhundert. Damals trafen sich bayerische Bauern am Aschermittwoch in Vilshofen an der Donau zu einem Viehmarkt. Dort feilschten sie nicht nur über die Preise für Kühe und Schweine, sondern diskutierten auch lautstark über Themen des Alltags und der Politik.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Auf der Grundlage dieser Tradition veranstaltete der Bayerische Bauernbund am Aschermittwoch des Jahres 1919 erstmals eine politische Kundgebung in Vilshofen. Dieses Ereignis gilt als Geburtsstunde des politischen Aschermittwochs. 1953 hielt die CSU zum ersten Mal in Vilshofen in der Gaststätte „Wolferstetter Keller“ eine Aschermittwochsveranstaltung ab. Danach wurde der politische Aschermittwoch immer beliebter, zuerst nur bei der CSU in Bayern, später auch bei anderen Parteien und in anderen Bundesländern.

Unter den Rednern des ersten politischen Aschermittwochs der CSU in Vilshofen war der damalige Generalsekretär der Partei, Franz Josef Strauß. Es ist vermutlich seinem rhetorischen Talent zu verdanken, dass der politische Aschermittwoch eine so große Popularität erlangt hat.

Ob Horst Seehofer für die CSU spricht, Martin Schulz für die SPD, Guido Westerwelle für die FDP, Jürgen Trittin für Bündnis 90/die Grünen oder Sahra Wagenknecht für die Linkspartei: Letztlich imitieren sie am politischen Aschermittwoch vor allem ihn. Strauß.

Und genau hier liegt das Problem, mit dem viele politische Aschermittwochsredner zu kämpfen haben. Rhetorisch spielen sie mindestens eine Liga unter Franz Josef Strauß. Das macht den politischen Aschermittwoch heute oftmals weniger zu einer unterhaltsamen als zu einer bedrückenden Veranstaltung. Am Rednerpult stehen überwiegend Menschen, die ihrer rednerischen Aufgabe nicht gewachsen sind.

Um dabei nicht allzu negativ aufzufallen, poltert und beleidigt jeder, so gut er kann. Darüber hinaus bleibt den Rednern nur die Hoffnung, dass ausgiebiger Biergenuss die Zuhörer rechtzeitig auf ein geistiges Niveau bringt, von dem aus die Rede gar nicht mehr so schlecht erscheint.

Wer eine Aschermittwochsrede nüchtern am Fernseher verfolgt, kann nur staunen, was für Sätze die Zuhörer im Saal mit lautem Johlen und donnerndem Applaus belohnen. Einige Beispiele:

„Die CSU hätte Monika Hohlmeier ins Dschungelcamp schicken sollen und nicht ins Europaparlament.“ Florian Pronold, SPD

„Horst Seehofers Politikstil ist ein Konjunkturprogramm für Beichtväter.“ Margarete Bause, Bündnis 90/Die Grünen

„Nur weil die Union nach links geht, nur weil die Union hässlicher wird, werden SPD und Grüne nicht schöner.“ Guido Westerwelle, FDP

„Stoiber, Beckstein, Huber, Glos – bei der CSU hat man heute das Gefühl, da gibt es eine Abwrackprämie für Führungskräfte – sogar ohne Verwertungsnachweis.“ Jürgen Trittin, Bündnis 90/Die Grünen

Doch manchmal gelingen auch am politischen Aschermittwoch echte Gags. Sätze wie „Es gibt in Bayern kein Windrad, das sich so schnell dreht wie Horst Seehofer“ oder „Deutschland wird in der Münchner U-Bahn verteidigt“ sind ein Schritt in die richtige Richtung.

Gute Gags sind beim politischen Aschermittwoch aber eine Ausnahme. Tatsächlich sind die Sprüche, mit denen Politiker am Aschermittwoch ihre Redezeit überbrücken, in ihrer Mehrzahl platt und nicht selten peinlich.

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle bezeichnete den damaligen Spitzenkandidaten der Grünen, Jürgen Trittin, in Anspielung auf das von ihm eingeführte Dosenpfand als „Don Blech der deutschen Politik“.

Der Angegriffene selbst sollte sich darüber allerdings nicht beschweren. Trittin sagte im gleichen Jahr über Brüderle: „Wir versuchen alle, nach dem Aschermittwoch unseren inneren Schweinehund zu überwinden. Die FDP macht ihn zum Spitzenkandidaten.“

Ein Grund, warum Reden zum politischen Aschermittwoch oft so schlecht sind, ist die Zielrichtung der Redner. Ihnen geht es nicht darum, dem Publikum eine politische Botschaft auf eine deftige oder komische Art näherzubringen. Sie wollen einfach nur deftig und komisch sein.

Doch Politiker haben nicht die Aufgabe, ein Publikum zu unterhalten. Zudem haben sie in aller Regel auch nicht die Fähigkeiten dazu. Und obwohl die wenigsten Redner am politischen Aschermittwoch ihrem Publikum inhaltlich etwas Wichtiges zu sagen haben, leiden sie dennoch an einem erschreckenden Mangel an Lockerheit und Leichtigkeit. Der verbissene Drang, kernig und derb rüberzukommen, verleiht vielen Reden eine Starrheit, die nur schwer auszuhalten ist.

Zwei Dinge könnten den Reden beim politischen Aschermittwoch auf die Sprünge helfen: mehr Selbstironie der Redner und eine stärkere Professionalisierung beim Schreiben der Reden. Wer sich einmal eine Rede eines US-Präsidenten beim Abendessen der Korrespondenten des Weißen Hauses ansieht, kann erahnen, wie das aussehen könnte.

Der US-Präsident bekommt hier die Freiheit, sich selbst einmal nicht 100-prozentig ernst nehmen zu müssen. Das lässt ihn nicht unseriös erscheinen. Seine Witze machen den US-Präsidenten nicht lächerlich. Sie machen ihn sympathisch und lassen ihn bodenständig erscheinen.

Die Möglichkeit, sich mit einer nicht ganz so ernst gemeinten Rede lächerlich zu machen, ist vermutlich das, wovor sich die Aschermittwochsredner am meisten fürchten. Doch dieses Risiko ließe sich leicht überwinden, wenn die Redner beim Schreiben ihrer Reden mit professionellen Humoristen zusammenarbeiten würden.

Die Rede für das Korrespondentendinner schreiben die Redenschreiber des Präsidenten gemeinsam mit den besten Gag-Schreibern des Landes. Diese Autoren haben jahrelange Erfahrung und können einschätzen, wie Witze wirken.

Natürlich lässt sich das Korrespondentendinner im Weißen Haus nur schwer mit dem politischen Aschermittwoch vergleichen. Gemeinsam ist beiden Veranstaltungen jedoch, dass es Redeanlässe sind, bei denen die rhetorischen Regeln des politischen Alltags ein Stück weit außer Kraft gesetzt sind.

Beide Events bieten eine Abwechslung vom alltäglichen Politikbetrieb. Genau das sehnen sich viele politisch interessierte Fernsehzuschauer herbei. Für Politiker ist der politische Aschermittwoch eine großartige Gelegenheit, ihrem Publikum diese Abwechslung zu bieten. Gebrauch von dieser Chance macht aber leider kaum jemand.

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Reden mit Humor (Teil 7)

Die lustige Trauzeugenrede

Eine der bekanntesten Trauzeugenreden stammt aus der Filmkomödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Darin hält der notorische Junggeselle Charles, gespielt von Hugh Grant, eine gleichermaßen herzzerreißende wie urkomische Ansprache.

Spätestens seit diesem Film wünschen sich viele Brautpaare von ihren Trauzeugen zur Hochzeit eine lustige Rede. Für die meisten Brautpaare kann die Trauzeugenrede gar nicht komisch genug sein. Die Gäste sollen sich vor Lachen an der Tischkante festhalten müssen, um nicht rückwärts vom Stuhl zu kippen.

(Hier gibt es humorvolle Formulierungen für Hochzeitsreden.)

Als Vorbild für eine echte Trauzeugenrede taugt die Rede aus dem Film allerdings wenig. Für eine Hochzeit in Deutschland jedenfalls dürfte der Humor zu schwarz sein, zu britisch. Charles berichtet in seiner Ansprache davon, dass er früher schon einmal bei einer Hochzeit eine Rede gehalten habe. Leider jedoch sei dieses Brautpaar bereits wieder geschieden. Die Trennung könnte mit seiner Rede im Zusammenhang stehen, deutet Charles an, denn er habe darin erwähnt, dass der Bräutigam vor der Hochzeit mit der Schwester und der Mutter der Braut intim gewesen sei.

In der Filmszene biegen sich die Zuhörer vor Lachen. Für eine echte Hochzeit aber sind derartige Andeutungen viel zu heikel. Zudem werden nur die wenigsten Redner in der Lage sein, einen solchen Text so trocken vorzutragen, wie es dem Schauspieler Hugh Grant im Film gelingt. Wer erwartet, dass er seine Rede als Trauzeuge ähnlich komisch vortragen kann wie ein Profischauspieler, der steuert auf eine Enttäuschung zu.

Dennoch lässt sich aus der Rede im Film viel lernen. Denn sie enthält die drei wichtigsten Elemente, die es beim Schreiben einer guten Trauzeugenrede zu beachten gibt.

Erstens: Die Rede ist sehr kurz. Die gesamte Filmszene dauert weniger als zwei Minuten. Wesentlich länger sollten Hochzeitsreden auch in der Realität nicht sein: Absolute Obergrenze für die Rede eines Trauzeugen sind fünf Minuten. Alles was darüber hinausgeht, überfordert die Konzentrationsfähigkeit der Hochzeitsgäste. Professionelle Redenschreiber rechnen mit circa 120 Wörtern pro Minute. Spätestens nach 600 Wörtern sollte die Rede also zu Ende sein.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Zweiter Punkt: Die Rede aus „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ hat eine klare Botschaft. Trauzeuge Charles will dem Brautpaar seinen Respekt dafür ausdrücken, dass sie den Mut hätten, die Ehe miteinander einzugehen. Mut, den er in seinem Leben noch nicht habe aufbringen können. Jeder Redner sollte eine Botschaft haben. Trauzeugen, die nicht genau wissen, was sie dem Brautpaar anlässlich ihrer Hochzeit mitteilen möchten, sollten am besten sitzen bleiben und auf eine Rede verzichten.

Drittens: Der Hochzeitsredner im Film benutzt den Humor nicht ausschließlich dazu, die Hochzeitsgäste zu unterhalten. Vielmehr hat der Humor eine Funktion. Er hilft Charles dabei, seine Botschaft so zu verpacken, dass sie bei den Zuhörern ankommt. Seine Selbstironie lässt ihn selbst als ein relativ kleines Licht erscheinen. Dadurch dass er sich selbst kleinmacht, erhöht er das Brautpaar.

In der Realität werden vor allem beim Verwenden des Humors die besonders gravierenden Fehler gemacht: Viele Reden haben keine Botschaft. Darum hat der Humor in der Rede keine Funktion und dient allein dazu, die Gäste zu unterhalten. Doch eine Hochzeit ist ein wichtiges Ritual im Leben zweier Menschen und keine Comedy-Veranstaltung. Darum wirken Trauzeugen, die sich als Komiker aufspielen, nicht lustig, sondern lächerlich.

Um herauszufinden, was die Botschaft sein soll, kann sich der Trauzeuge zum Beispiel fragen, in welcher Beziehung er zum Brautpaar steht. Schließlich haben die Brautleute ihn nicht ausgewählt, weil er so ein witziger Typ ist, sondern weil er zu mindestens einem der beiden in einem engen persönlichen Verhältnis steht.

Aber genau hier steht eines der größten Fettnäpfchen, in das viele Trauzeugen mit Anlauf hineintreten. Oft wird die Rede nämlich von einem alten Freund des Bräutigams gehalten, der seine einzige Aufgabe darin sieht, peinliche Geschichten aus der Junggesellenzeit des Bräutigams unters Volk zu bringen.

Für den Bräutigam ist das oft unangenehm, für die Braut ist es möglicherweise kompromittierend, für das übrige Publikum ist es einfach nur peinlich. Natürlich sorgt die Tatsache, dass ein Trauzeuge brisante Informationen über die Braut oder den Bräutigam ausplaudern könnte, für eine gewisse Spannung bei den Zuhörern. Diesen Umstand macht sich indirekt auch die Filmfigur Charles in seiner Hochzeitsrede zunutze.

Doch es erfordert viel Geschick, dies in der Rede lustig und charmant unterzubringen. Eine Möglichkeit besteht darin, zu erwähnen, dass man viel über den Bräutigam wisse, aber nicht darüber sprechen könne, weil man von ihm vor der Hochzeit eine äußerst großzügige Bargeldzahlung erhalten habe.

Egal wofür sich der Redner entscheidet, der Witz muss eine Funktion in der Rede haben. In der Rede in „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ bildet der Humor den Rahmen für die eigentliche Botschaft. Ohne den Witz wäre die Rede zu schmalzig. Die schlüpfrigen Gags sind gewissermaßen das Gewürz, das die Botschaft bekömmlich macht.

Der Humor ist kein Selbstzweck, er dient immer der Botschaft. Ein Beispiel: Der Trauzeugen will zum Ausdruck bringen, wie sehr er sich für seinen alten Kumpel freut, weil dieser so eine tolle Frau abbekommen hat. Dann bietet es sich an, die Braut zu erhöhen, indem man über den Bräutigam einen Witz macht. Etwa so: „Die Braut ist klug, schön und nett. Ein erneuter Beweis für den Satz: Gegensätze ziehen sich an.“ Hier wird der Bräutigam auf die Schippe genommen, um die Botschaft rüberzubringen, nämlich dass der Bräutigam mit der Braut großes Glück gehabt hat.

Fazit: Die Rede darf nicht zu lang sein und sie muss eine klare Botschaft enthalten. Humor darf in der Rede nur eingesetzt werden, um die Botschaft zu unterstützen. Wer diese drei Punkte beachtet, umschifft die gefährlichsten Klippen auf dem Weg zur gelungenen Hochzeitsrede mit Leichtigkeit.

Was den Charme einer Rede zum politischen Aschermittwoch ausmacht, lesen Sie im achten Teil der Artikelserie „Reden mit Humor“.

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Reden mit Humor (Teil 6)

Humor in der politischen Rede

Der Witz ist eine der schärfsten Waffen im rhetorischen Schlagabtausch. Humor kann in demokratischen Debatten entscheidende Akzente setzen. In den USA haben Pointen bereits über den Ausgang von Präsidentschaftswahlen entschieden.

Kein Wunder, dass die meisten US-Präsidenten mindestens einen Witzeschreiber in ihrem Redenschreiberteam beschäftigen. Mancher Präsident hat den Humor sogar zu einem zentralen Bestandteil seiner Kommunikationsstrategie gemacht.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Das bekannteste Beispiel dafür war Ronald Reagan. Als der sich 1984 entschied, für eine zweite Amtszeit im Weißen Haus zu kandidieren, war er bereits 72 Jahre alt. Sein Gegner, Walter Mondale, war 20 Jahre jünger. Es war klar, dass Mondale versuchen würde, das hohe Alter des Präsidenten zum Wahlkampfthema zu machen und die Eignung Reagans für das höchste Staatsamt infrage zu stellen.

Humor ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln

Der Amtsinhaber entschied sich, den Angriffen seines vergleichsweise jugendlichen Herausforderers nicht mit Argumenten zu begegnen, sondern mit einem Witz: Auf sein Alter angesprochen, sagte er bei einer Pressekonferenz, er habe sich entschieden, dieses Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Es sei nicht fair, wenn er aus der Jugend und der Unerfahrenheit seines Gegners Kapital schlagen würde, ließ Reagan die verblüfften Journalisten wissen.

Tatsächlich gelang es Reagan mit dieser Pointe, die Diskussion um sein Alter zu beenden. Dieser Witz mag weder besonders originell noch allzu komisch gewesen sein. Die Zeitschrift Newsweek schrieb später jedoch, der Gag habe den entscheidenden Ausschlag zum Sieg Reagans in dem Wahlkampf gegeben.

Doch nicht nur in den USA wissen Politiker um die Macht des Humors in der politischen Diskussion. Auch im Bundestag lassen sich mitunter Glanzstücke der humorvollen Rhetorik bewundern. 1979 hielt der damalige bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß eine Rede zur Staatsverschuldung. Darin warf er der amtierenden sozial-liberalen Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt vor, die Finanzierung des Staates auf Pump sei aus dem Ruder gelaufen.

Um das Ausmaß der Verschuldung zu illustrieren, rechnete Strauß den Parlamentariern vor, wie hoch der Schuldenberg wäre, wenn man 1000-Mark-Scheine einzeln übereinander stapeln würde. Strauß kam auf eine Höhe von 3550 Metern.

Als sei das nicht anschaulich genug, berichtete Strauß nun, dass nach seinen Berechnungen der Stapel, würde er aus 100-Mark-Scheinen bestehen, sogar eine Höhe von 35 Kilometern erreichen würde. Dafür erntete er Applaus und schallendes Gelächter – nicht nur aus dem eigenen Lager.

Als Strauß vorrechnete, wie viele Güterwaggons nötig sein würden, um den Schuldenberg abzutransportieren, konnte sich auch der in der Rede angegriffene Bundeskanzler Schmidt vor Lachen kaum noch auf der Regierungsbank halten.

Abgesehen vom hohen Unterhaltungswert erreichte Strauß mit seiner Rede vor allem eines: ungeteilte Aufmerksamkeit. Nicht nur von Befürwortern, sondern auch von Gegnern seiner politischen Ansichten.

Humor kann in politischen Reden aus vielen verschiedenen Gründen eingesetzt werden. Am häufigsten jedoch geschieht es, um einen Redner sympathischer und menschlicher erscheinen zu lassen. Die Redenschreiber von Ronald Reagan nutzten Witze immer wieder, um den Präsidenten als einen bodenständigen Mann erscheinen zu lassen.

Ein Beispiel dafür liefert der Einstieg einer Rede, die Reagan vor Highschool Lehrern im Garten des Weißen Hauses gehalten hat. „Obwohl ich schon sehr lange mit der Schule fertig bin, fühle ich mich in der Gegenwart von so vielen Lehrern immer noch sehr unsicher.“ Dem mächtigsten Mann der Welt zittern die Knie, weil er vor einer Gruppe von Highschool-Lehrern spricht. Bodenständiger geht es kaum.

Auch in Deutschland gibt es Gelegenheiten, bei denen Politiker versuchen, lustig zu sein, vor allem bei Reden zum politischen Aschermittwoch in Bayern und anderen Bundesländern. Doch die Gelegenheit, einmal wirklich witzig zu sein, wird hier von den Rednern meist vertan. Stattdessen versuchen sie, durch Krawallreden das Publikum bei Laune zu halten. Doch auch diese Reden haben das Ziel, Spitzenpolitikern zu Bodenständigkeit und Volkstümlichkeit zu verhelfen.

Neben dem Hervorheben von Bodenständigkeit dient der Humor in politischen Reden auch dazu, Angriffe gegen den politischen Gegner mit einer gewissen Eleganz zu führen oder abzuwehren. Dem Angreifer erlaubt der Humor, auf Schwächen des Gegners herumzureiten, ohne dabei allzu aggressiv oder unsympathisch zu wirken.

Richtig dosiert, ist der Humor eine gesellschaftlich anerkannte Form, in der ein Kandidat negativ über seinen Gegenkandidaten sprechen kann, ohne dass er dabei Gefahr läuft, selbst an Sympathie einzubüßen.

Auch hier lässt sich als Beispiel eine Rede von Ronald Reagan anführen. Reagan hatte nicht nur ausgezeichnete Berater in Sachen Humor, er war auch von Natur aus ein witziger Typ. Im Wahlkampf des Jahres 1980 trat er gegen den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter an. Um dem Amtsinhaber persönlich die Verantwortung für die schwierige Wirtschaftslage zuzuschieben, wählte Reagan folgende Formulierung: „Rezession ist, wenn Sie ihren Job verlieren. Aufschwung ist, wenn Jimmy Carter seinen Job verliert.“

Auch der neuseeländische Politiker Maurice Williamson weiß eine Pointe gezielt einzusetzen, um auf sympathische Art messerscharfe Argumente vorzutragen.

In einer Debatte über die Legalisierung der Ehe gleichgeschlechtlicher Partner berichtete er vor dem neuseeländischen Parlament von einem katholischen Priester, der ihm vorgeworfen habe, mit seiner Zustimmung zur Homo-Ehe unterstütze er ein unnatürliches Gesetz. Das sei sehr interessant, sagte Williamson in seiner Rede. Schließlich komme das Argument von einem Mann, der geschworen habe, bis an sein Lebensende auf Sex zu verzichten.

Der Priester habe ihm auch gesagt, wenn er für das Gesetz stimme, werde er in alle Ewigkeit im Fegefeuer brennen. Williams, studierter Physiker, rechnete dem Parlament daraufhin vor, dass ein Mensch mit seinem Körpergewicht nicht so lange brennen könne. Er schätze die Temperatur des Fegefeuers auf etwa 5000 Grad. Sein Körper verbrenne darin in genau 2,1 Sekunden.

Doch Humor eignet sich nicht nur, um Angriffe zu führen, sondern auch, um sie abzuwehren. So lässt sich ein Vorwurf in Bezug auf einen persönlichen Makel mit Humor elegant aus dem Weg räumen.

Geht der Angegriffene direkt auf den Vorwurf ein, läuft er Gefahr, dem Angriff dadurch zusätzliche Beachtung zu verschaffen. Humor hingegen kann selbst sensibelste Vorwürfe entkräften.

Der Demokrat Adlai Ewing Stevenson war US-Präsidentschaftskandidat im Wahlkampf des Jahres 1956. Vor der Wahl wurde das Gerücht gestreut, Stevenson sei homosexuell. In den 50er-Jahren wäre das Eingeständnis von Homosexualität ein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg ins Weiße Haus gewesen.

Unabhängig von der Frage, ob Ewing homosexuell war oder nicht: Ein Kandidat hatte damals nicht die Möglichkeit, die Diskussion mit einem „Ich bin schwul und das ist gut so“ zu beenden, wie einst Klaus Wowereit.

Stevenson hatte nur wenige Optionen: Er hätte sich öffentlich gegen die Behauptungen zur Wehr setzen können. Allerdings hätte das den Gerüchten gleichzeitig zusätzliche Nahrung gegeben. Eine Klage vor einem Gericht hätte denselben Effekt gehabt und außerdem zu lange gedauert.

Stevenson entschied sich, einen Gag-Schreiber auf das Problem anzusetzen. Das Ergebnis war eine Formulierung, die Stevenson daraufhin in viele seiner Wahlkampfreden einbaute: „Präsident Eisenhower und ich haben eine Vereinbarung: Wenn er aufhört, Lügen über mich zu verbreiten, werde ich aufhören, die Wahrheit über ihn zu sagen.“

Dazu ein weiteres Beispiel aus der Gegenwart: 2015 erschien in Großbritannien ein Buch, das ich unter anderem mit der Studienzeit von David Cameron beschäftigt. In dem Buch behauptet der Autor, Lord Michael Ashkroft, der spätere Premierminister habe in seiner Studienzeit in Oxford an verwerflichen Ritualen teilgenommen. Dabei habe er zum Beispiel einem toten Schwein seine Sexualorgane ins Maul gehalten habe.

Ob wahr oder nicht: Unappetitlich war die Sache auf jeden Fall. Doch vermutlich stieß die Angelegenheit in der britischen Presse gerade deswegen auf großes Interesse. Der Skandal gelangte schließlich zu dem Namen Piggate – in Anlehnung an den Watergate-Skandal, der in den 70-er Jahren US-Präsident Richard Nixon das Amt gekostet hatte.

Auch wenn Piggate David Camerons Position wohl niemals ernsthaft in Gefahr bringen konnte, stellte sich für den Premierminister dennoch die Frage, wie er mit dem Skandal umgehen sollte. Sollte er sich zu den Vorwürfen äußern oder schweigen?

Eine Stellungnahmen hätte den Vorwürfen zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft. Schweigen zu Anschuldigungen wird in der Öffentlichkeit jedoch oft so interpretiert, dass an dem Skandal möglicherweise doch etwas dran sein muss: Warum sollte der Betroffene sonst ein Problem damit haben, etwas dazu zu sagen?

Den Ausweg aus der Misere bietet oft eine Joke und genau dafür entschied sich David Cameron. In seiner Rede bei einem Parteitag der Konservativen sagte der Regierungschef:

„I was a hooker. And by the way that’s a factual statement“.

Dazu muss man wissen, dass das englische Wort „hooker“ mehrere Bedeutungen haben kann. Zum einen ist es eine nicht ganz feine Bezeichnung für Prostituierte. Zum anderen bezeichnet „hooker“ auch eine Spielerposition beim Rugby. Es ist die Position, auf der Cameron während seiner Studienzeit als aktiver Rugby-Spiele gespielt hat.

Cameron macht hier also folgendes: Er zeigt der Öffentlichkeit, dass er kein Problem damit hat, das Thema Piggate offen anzusprechen. Er signalisiert mit seinem kleinen Wits aber auch, dass das Thema auf seiner Agenda keine Priorität hat, dass es ihm bestenfalls einen witzige Bemerkung wert ist.

Humor ist im politischen Schlagabtausch ein extrem wirksames Mittel. Wie wirksam, das zeigt auch der Sieg von George W. Bush im US-Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 1999. Seine Mehrheit bei der Wahl  führen viele Beobachter auch auf dessen Humor des Texaners zurück. Zu Beginn des Wahlkampfs stand Bush vor dem Problem, dass er im Vergleich zu seinem Rivalen, dem amtierenden Vizepräsidenten Al Gore, eher provinziell und ungebildet erschien.

Dann kam jedoch das Gerücht auf, Gore habe bei einem Wahlkampfauftritt behauptet, das Internet erfunden zu haben. Böse Zungen behaupten, das Gerücht sei von Bushs Wahlkampfteam selbst gestreut worden.

Wie auch immer: Bush war klug genug, seinem Gegner diese offensichtlich falsche Behauptung nicht direkt vorzuwerfen. Schließlich wollte er nicht als Besserwisser erscheinen.

Er entschied sich daher für die humorvolle Variante. Ab sofort präsentierte er viele seiner eigenen politischen Ideen mit der Einleitung: „Ich habe zwar nicht das Internet erfunden, aber auch ich habe gute Ideen.“

Von US-Präsidenten erwartet die amerikanische Öffentlichkeit mittlerweile ganz selbstverständlich, dass sie ihrem Publikum einen gewissen Unterhaltungswert bieten. Egal ob beim Korrespondentendinner im Weißen Haus oder bei Auftritten in Talkshows von Jay Leno und anderen: Stets muss der Präsident einen lockeren Spruch auf den Lippen haben.

Doch wie kommen die US-Politiker an ihre Witze? Wer denkt, amerikanische Präsidenten seien einfach lustige Typen, der liegt falsch. Absurd ist auch die Vorstellung, dass Barack Obama spätabends im Oval Office am Schreibtisch sitzt und über ein paar lustige Bemerkungen für seinen Talkshow-Auftritt am kommenden Abend bei Jimmy Fallon brütet.

Weil Humor ein rhetorisches Mittel von solcher Wirkung ist, sind in der amerikanischen Politik professionelle Redenschreiber auf dieses Thema spezialisiert. Seit Franklin D. Roosevelt soll jeder amerikanische Präsident mindestens einen Gag-Schreiber in seinem Redenschreiberteam beschäftigt haben.

Witze für den Präsidenten und andere Politiker zu schreiben, ist in den USA längst zu einem heiß umkämpften Markt geworden. Peggy Norman hat ihre Arbeit als Gag- und Redenschreiberin für Ronald Reagan einmal folgendermaßen beschrieben:

Der Kampf um die Gedanken und Worte des Präsidenten wird ähnlich geführt wie die Stellungskriege um die Schützengräben des Ersten Weltkriegs: „Selten zuvor haben so viele so hart um solch ein karges Land gekämpft.“

Wie man eine lustige Trauzeugenrede schreibt, lesen Sie im siebten Teil der Artikelserie „Reden mit Humor.“

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Redner überzeugen mit Persönlichkeit

Wer als Redner sein Publikum mitreißen will, muss am Rednerpult als Mensch erkennbar sein. Nicht selten sind dazu Einblicke in die Biografie und die private Lebenssituation des Redners erforderlich.

Wichtig ist, dass die Zuhörer einen persönlichen Eindruck vom Redner bekommen. Denn Vertrauen in einen Menschen entwickeln die meisten nicht auf der Grundlage von rationalen Erwägungen. Entscheidend ist vielmehr das Gefühl, den Redner persönlich zu kennen und ihm als Mensch zu vertrauen.

Wie Redner ihr Publikum mit Persönlichkeit überzeugen können, davon berichtet ein Artikel auf der Internetseite der Schreibwerkstatt, einer Schule für Autoren in Wien.

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Reden mit Humor (Teil 5)

Anekdoten lustig erzählen

Eine Gruppe von Freunden steht in der Kneipe am Tresen. Einer von ihnen ist gerade von einer mehrwöchigen Afrikareise zurückgekehrt und brennt darauf, den anderen von seinen Erlebnissen zu berichten. Doch die Aufmerksamkeit der Umstehenden gilt nicht ihm, sondern den Erzählungen eines anderen Kneipenbesuchers, der gerade von seinem Urlaub auf einem Campingplatz in der Eifel zurückgekehrt ist.

Keine ungewöhnliche Situation. Das Ohr der Zuhörer haben oft nicht diejenigen, die eine spannende Geschichten erlebt haben, sondern diejenigen, die eine alltägliche Geschichte spannend erzählen können.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Der Campingplatz-Tourist aus dem Beispiel gehört wahrscheinlich zu den Menschen, die einfach ein natürliches Talent zum Geschichten erzählen haben. Doch kann auch jemand, dem das Talent fehlt, lernen, wie man eine Anekdote lustig und unterhaltsam erzählt?

Tatsache ist: Gute Geschichten folgen Gesetzmäßigkeiten. Die Struktur von spannenden Anekdoten kann man lernen – und das ist gar nicht schwer. Doch Kenntnisse über die Struktur von Geschichten reichen nicht aus. Wer ein guter Geschichtenerzähler werden will, muss viel üben.

Der Campingplatz-Tourist aus dem Beispiel erzählt wahrscheinlich seit seiner Kindheit leidenschaftlich gerne Geschichten. Viele seiner Storys hat er schon unzählige Male erzählt, und er weiß aus Erfahrung, wie er die Details seiner Geschichte rüberbringen muss, um bei seinen Zuhörern Begeisterung auszulösen.

Entscheidend ist es dabei, in welcher Reihenfolge er die Fakten seiner Geschichte präsentiert. Denn Humor ist Wissensmanagement. Es kommt darauf an, welche Informationen der Erzähler bereits zu Beginn seiner Geschichte preisgibt und welche er bis kurz vor dem Schluss zurückbehält.

Fast alle Anekdoten haben das Potenzial, lustig und spannend zu sein. Doch die meisten Redner verschenken die Gelegenheit dazu, weil sie die Fakten in der falschen Reihenfolge präsentieren.

Ein Beispiel: Ein Rechtsprofessor aus Berlin hält eine Rede vor Rechtsanwälten in Frankfurt am Main. Bei Frankfurt denkt er an Goethe, der dort geboren wurde, und guckt nach, was Goethe über Rechtsanwälte geschrieben hat.

Zu seiner Freude stößt er auf zwei Zitate. Darin bezeichnet der Dichterfürst die Angehörigen seiner Berufsgruppe – mit größter Zurückhaltung formuliert – als Armleuchter.

Das hat Komikpotenzial, denkt der Berliner Professor, und als er dann noch liest, dass Goethe selbst Jura studiert hat und in Frankfurt sogar kurzzeitig eine eigene Anwaltskanzlei betrieb, macht er sich voller Elan ans Werk. Sein erster Redeeinstieg lautet so:

„Liebes Publikum, ich soll heute in Frankfurt eine Rede halten. Bei Frankfurt dachte ich gleich an Goethe. Doch obwohl der Dichter selbst Jurist war und sogar eine eigene Kanzlei in Frankfurt hatte, war er der Ansicht, alle Anwälte seien Armleuchter.“

Dieser Redeeinstieg ist für den Anfang nicht schlecht. Wirklich prickelnd ist er aber nicht.

Die entscheidende Technik, um Anekdote spannend zu erzählen, ist die Überraschung. Die erzielt der Redner, wenn er seine Zuhörer zunächst auf die falsche Fährte lockt. Dieselben Fakten aus dem Redeeinstieg ließen sich auch so präsentieren:

„Als Rechtsprofessor aus Berlin kenne ich mich in Frankfurt nicht gut aus. Darum habe ich mich, als ich die heutige Rede vorbereitete, gefragt, wer mir wohl helfen könnte, für diesen Anlass die passenden Worte zu finden.“

Die Zuhörer überlegen sich: Wen hat der Redner wohl gefragt?

„Ich suchte Rat bei einem Mann, den Sie alle kennen. Er wurde in Frankfurt geboren und hat hier an der Uni Jura studiert. Ich suchte Rat bei einem, der zu Beginn seiner großen Karriere selbst einmal eine kleine Anwaltskanzlei in Frankfurt betrieben hat.“

In ihrem Geiste überlegen die Zuhörer nun fieberhaft, welchen ihrer Anwaltskollegen aus Frankfurt der Redner aus Berlin wohl angerufen haben könnte. Dann kommt die Überraschung:

„Ich suchte Rat bei Goethe.“

Jetzt, wo das Publikum ein wenig erheitert ist, kann der Redner mit den Zitaten noch eins obendrauf setzen. „Doch nach näheren Recherchen kamen mir Zweifel, ob der Kollege Goethe tatsächlich der richtige Ansprechpartner war.“

Jetzt erst kommen die Zitate:

„Denn Goethe war der Ansicht, alle Anwälte seien Armleuchter.“

Dass der Rechtsprofessor den großen Dichter als „Kollegen“ bezeichnet, verstärkt den Humor noch ein klein wenig. Es sind dieselben Fakten. Doch die unterschiedliche Reihenfolge der Erzählung verleiht dem Redeeinstieg eine völlig andere Wirkung.

Die überraschende Anordnung der Fakten ist eine sehr einfache Technik, die ihre Wirkung nie verfehlt. Humor in Reden und anderen Texten ist planbar. Wer Witz und Pointen gezielt einsetzen will, muss jedoch verstehen, wie Humor funktioniert. Gags sind nämlich kein Zufallsprodukt, sondern lassen sich mithilfe einer Humorformel konstruieren.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie die überraschende Anordnung von Fakten einer Rede zu Schwung verhelfen kann, stammt aus der Abiturrede eines Gymnasialdirektors. Der Schulleiter will in seiner Ansprache auf der Abiturfeier die provokative Frage aufwerfen, ob ein Abi für eine große Karriere überhaupt eine zwingende Voraussetzung sei.

Dazu sammelt er Namen und Zitate von berühmten Personen ohne Hochschulreife. Beispiele dafür gibt es reichlich, von Joschka Fischer bis Robert de Niro. Bei seiner Recherche stößt der Direktor auch auf ein Zitat des Rap-Musikers Sido, der mit bürgerlichem Namen Paul Würdig heißt. Sido sagt, dass er froh sei, kein Abitur gemacht zu haben. Dies wäre für eine Karriere als Rap-Musiker sogar hinderlich gewesen.

Wie soll der Schuldirektor diese Informationen in seiner Rede anordnen, um seine Zuhörer zu überraschen? Eine Möglichkeit liegt darin, seinen Informationsvorteil zu nutzen. Der besteht hier darin, dass vermutlich die wenigsten Zuhörer wissen, dass der Rapper Sido einen sehr gewöhnlichen bürgerlichen Namen hat, nämlich Paul Würdig.

Unser Schuldirektor könnte die Passage seiner Rede folgendermaßen aufbauen: „Braucht man eigentlich Abitur? Wozu? Viele berühmte Männer sind ohne ausgekommen. Joschka Fischer hat kein Abi, Robert de Niro hat kein Abi. Nicht einmal Paul Würdig hat eins. Würdig sagt sogar, mit einem Abitur hätte er niemals eine so große Karriere hinlegen können. Sie fragen sich, wer Paul Würdig ist? Sie kennen ihn unter seinem Künstlernamen. Der lautet Sido.“

Dies ist zwar nicht der Gag des Jahrhunderts, aber ganz sicher wird diese Passage den Zuhörern ein Schmunzeln in die Gesichter zaubern. Und sie wird neugierig machen auf das, was der Schuldirektor im Anschluss zu sagen hat.

Und genau darum geht es. Ein guter Erzähler unterscheidet sich von einem mittelmäßigen Erzähler dadurch, dass er Neugierde weckt auf das was kommt und die Zuhörer immer wieder aufs Neue überrascht.

Ein drittes Beispiel: Jarrid Wilson ist ein verheirateter Pastor und Autor aus Bellingham in den USA. In seinem Blog veröffentlichte er vor einiger Zeit einen Beitrag mit der Überschrift: „Ich möchte eine Beichte ablegen: Ich date eine Frau, obwohl ich verheiratet bin.“

Die Überschrift gepaart mit der Tatsache, dass Wilson Priester ist, zieht die Leser in ihren Bann. Sein Publikum erwartet ein Untreuegeständnis und schlüpfrige Details aus der Affäre des Priesters.

Doch die Erwartungen werden enttäuscht. Im Text ist von Reue keine Spur. Wilson schwärmt davon, wie schön es ist, zu daten, obwohl man verheiratet ist. Er empfiehlt seinen Lesern sogar, es selbst einmal zu versuchen. Die Neugier der Leser des Blogs steigt dadurch noch weiter. Sie fragen sich: Was um Himmels Willen ist da los?

Erst jetzt gibt der Autor preis, worum es in seinem Artikel geht: Die Frau die er datet, ist seine Ehefrau. In dem Artikel geht es darum, wie man das Feuer in einer Ehe neu entfachen kann.

Jarrid hat bei seinen Lesern Erwartungen geweckt, er hat diese Erwartungen enttäuscht und sein Publikum dann auch noch überrascht. Wenn er nun darüber schreibt, wie es ihm gelingt, seine Ehe am Laufen zu halten, ist ihm die Aufmerksamkeit seiner Leser sicher.

Wer die Fakten in seiner Geschichte richtig anordnet wird seine Zuhörer überraschen und sie in seinen Bann ziehen.

Wie Humor in politischen Reden wirkungsvoll eingesetzt werden kann, erfahren Sie im sechsten Teil der Artikelserie „Reden mit Humor.“

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Radiosendung zu Rhetorik und Redenschreiben

Wie man eine überzeugende Rede formuliert, wie man ein Publikum begeistert oder wie man dafür sorgt, dass Menschen einem zuhören, das wollten die Zuhörer des Deutschlandfunks von ihrem Sender erfahren. Darum baten sie die Redakteure eine Radiosendung zu diesem spannenden Thema zu produzieren.

Der Radiosender folgte dem Wunsch seiner Zuhörer. In der Sendung erklären eine Redenschreiberin und Sprecherzieherin, wie Menschen an Ihrer Rhetorik arbeiten und eigene Aussagen perfektionieren können.

Gesprächsgäste der 50-minütigen Sendung sind Jacqueline Schäfer, Redenschreiberin aus Berlin und Mitglied im Vorstand des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache und Antje Weiss, Stimm- und Sprechtrainerin aus Köln.

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Reden mit Humor (Teil 4)

  • Fünf Stellen in der Rede, wo Humor besonders effektiv eingesetzt werden kann

    Der Unterschied zwischen dem Auftritt eines Komikers und dem Auftritt eines Redners liegt in der Zielsetzung. Bei einem Komiker ist der Witz in der Regel ein Selbstzweck, der alleine dazu dient, die Zuhörer zu unterhalten. Der Gag ist wichtiger als alles andere.

    Doch bei einer Rede steht immer die Botschaft des Redners im Mittelpunkt. Die Botschaft wird dem Humor niemals untergeordnet. Vielmehr ist der Humor der Diener der Botschaft.

    (Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

    Die meisten Redesituationen sind eher steif. Es braucht darum oft nicht viel, um das Publikum zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen zu bringen. Damit der Humor die Botschaft der Rede wirkungsvoll unterstützen kann, ist es jedoch wichtig, dass der Redner sein Publikum an den richtigen Stellen in der Rede amüsiert.

    1. Humor im Titel der Rede

    Der Titel einer Rede wird von den wenigsten Rednern beachtet. Dabei ist es der Titel, den die Zuhörer in der Ankündigung auf einem Plakat, im Internet oder im Programmheft lesen. Oft ist es diese Ankündigung, die darüber entscheidet, ob sich die Zuhörer überhaupt im Vortragsraum einfinden und ihre wertvolle Zeit investieren, um den Worten des Redners zu lauschen. Ein knackiger oder gar lustiger Redetitel hat schon manchen Vortragsraum gefüllt.

    2. Humor bei der Ankündigung eines Redners

    Bei den meisten Veranstaltungen, auf denen mehr als eine Rede gehalten wird, gibt es einen Moderator, der die einzelnen Redner vorstellt und ankündigt. Eine humorvolle Ankündigung kann einen Redner sympathischer machen, bevor er überhaupt auf der Bühne erschienen ist.

    Das Publikum entspannt sich gegenüber dem Redner. Noch vor dem ersten persönlichen Eindruck nehmen die Zuhörer den Redner als positiv wahr. Eine humorvolle Ankündigung macht das Publikum neugierig auf den Redner.

    Viele Redner gehen darum sogar so weit, ihre Ankündigung selbst zu schreiben oder von ihrem Redenschreiber schreiben zu lassen. Dieser Text wird dem Moderator dann mehr oder weniger unauffällig zugeschoben. Oft mit Erfolg: Je ansprechender der Text ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Moderator sie übernimmt. Einem wirklich witzigen Ankündigungsvorschlag wird kein Moderator widerstehen können.

    3. Humor beim Einstieg in die Rede

    Der Einstieg in die Rede ist der Handschlag des Redners mit seinem Publikum. Hier kann Humor vor allem als Eisbrecher dienen. Ein paar amüsante Bemerkungen zu Beginn der Rede können Skepsis oder gar Ablehnung des Publikums gegenüber dem Redner vertreiben. Nachdem alle gemeinsam herzlich gelacht haben, steht das Publikum den ernsten Aussagen des Redners aufgeschlossener gegenüber.

    Nicht selten werden bei einem Anlass auch so viele Reden hintereinander gehalten, dass es für die Redner, die später an der Reihe sind, sehr schwer ist, die Aufmerksamkeit des Publikums zu wecken. Humor kann die bereits weggedämmerten Zuhörer aus ihrem Nickerchen zurückholen.

    Dabei müssen die Redeeinstiege mit dem Thema der Rede nicht einmal in inhaltlichem Zusammenhang stehen. Zwei Vorschläge für humorvolle Redeeinstiege:

    „Es ist schade, das meine Eltern heute nicht hier sein können, um meine Rede anzuhören. Warum? Mein Vater hätte sie geliebt, meine Mutter hätte sie geglaubt.“

    Oder:

    „Ich kann nicht garantieren, dass Sie nach meiner Rede klüger sein werden als jetzt. Das einzige, das jetzt schon feststeht, ist, dass Sie nach meiner Rede älter sein werden.“

    4. Humor im Redetext

    In einer Rede hat die Botschaft immer Vorrang vor dem Witz. Die Botschaft darf dem Humor nicht geopfert werden. Der Humor ist vielmehr ein Stilmittel, das helfen soll, die Botschaft zu übermitteln. Beim Schreiben jeder Rede, auch der lustigen, werden zuerst Inhalt und Botschaft der Rede festgelegt. Dann sucht der Redenschreiber nach Gags, die diese Botschaft untermauern können.

    Humor kann etwa helfen, Angriffe gegen einen politischen Gegner eleganter zu führen oder abzuwehren, als dies durch Argumente möglich wäre. Doch im Hauptteil der Rede, sollte der Redner mit Humor möglichst sparsam umgehen, insbesondere dann, wenn er mit seiner Rede ein ernstes Anliegen verfolgt. Sonst kann schnell der Eindruck entstehen, der Redner nehme seine Rede selbst nicht wirklich ernst.

    5. Humor am Schluss der Rede

    Der Schluss einer Rede ist der Moment, in dem ein bleibender Eindruck geschaffen werden kann. Humor eignet sich besonders gut, um mit einem sympathischen Eindruck vom Rednerpult abzutreten und sich vom Publikum mit einem Schmunzeln zu verabschieden.

    Gerade wenn der Redner seinem Publikum inhaltlich einiges abverlangt hat, bietet es sich an, am Schluss zu zeigen, dass man sich selbst auch ein wenig auf die Schippe nehmen kann. Beispiele für humorvolle Abgänge:

    „Es war meine Aufgabe zu reden. Es war Ihre Aufgabe, zuzuhören. Ich hoffe, dass wir alle mit unseren Aufgaben zeitgleich fertig geworden sind.“

    Oder:

    „Wenn ich Ihre Aufmerksamkeit bis zu diesem Moment auf meine Rede ziehen konnte, ist dies ein guter Moment, um aufzuhören. Sollte es mir nicht gelungen sein, Ihre Aufmerksamkeit bis zu diesem Moment auf meine Rede zu ziehen, dann ist dies sogar ein sehr guter Moment, um aufzuhören.“

    Oder:

    „Von Goethe haben Menschen in seinem näheren Umfeld gesagt, dass er im Alter sehr viel geredet habe und nur schwer zu unterbrechen gewesen sei. Da es nur selten eine Gelegenheit gibt, sich sogar von einem Dichterfürsten positiv zu unterscheiden, will ich diese nutzen und meine Rede hier beenden.“

    Wie man Anekdoten lustig erzählt, lesen Sie im fünften Teil der Artikelserie „Reden mit Humor.“

    Reden mit Humor (Teil 1) Wann, wie und von wem Humor in einer Rede verwendet werden sollte

  • Reden mit Humor (Teil 2) Die Humorformel: Was eine Rede lustig macht
  • Reden mit Humor (Teil 3) Die fünf goldenen Regeln zum Gebrauch von Humor in Reden
  • Reden mit Humor (Teil 4) Fünf Stellen in der Rede, wo Humor besonders effektiv eingesetzt werden kann
  • Reden mit Humor (Teil 5) Anekdoten lustig erzählen
  • Reden mit Humor (Teil 6) Humor in der politischen Rede
  • Reden mit Humor (Teil 7) Die lustige Trauzeugenrede
  • Reden mit Humor (Teil 8) Reden zum Politischen Aschermittwoch
  • Reden mit Humor (Teil 9) Die lustige Hochzeitsrede des Brautvaters
  • Reden mit Humor (Teil 10) Die lustige Hochzeitsrede des Bräutigams
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Reden mit Humor (Teil 3)

Die fünf goldenen Regeln zum Gebrauch von Humor in Reden

Wem es gelingt, seine Rede mit der richtigen Prise Witz und Humor zu würzen, dem werden die Herzen der Zuhörer zufliegen. Doch wer am Humor des Publikums vorbei witzelt, muss sich auf harsche Reaktionen gefasst machen.

Ein kleiner unpassender Gag wird schnell zur großen Peinlichkeit. Schlimmstenfalls kann ein Redner mit dem falschen Witz einen Skandal auslösen. Dabei geht es überhaupt nicht darum, ob der Witz gut war. Es geht nur darum, ob er dem Anlass angemessen war.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Dabei ist Humor in Reden und bei anderen öffentlichen Anlässen kein unkalkulierbares Risiko. Wer die Gesetzmäßigkeiten des Humors kennt und die wichtigsten Regeln beachtet, ist vor Skandalen sicher. Die folgenden fünf goldenen Regeln fassen zusammen, was es beim Gebrauch von Humor in Reden und bei anderen öffentlichen Auftritten zu beachten gibt.

1. Fettnäpfchen um jeden Preis meiden

In jeder Ansprache muss der Redner auf Stolpersteine achten. Das gilt in besonderem Maße für lustige Reden. Das liegt daran, dass unterschiedliche Menschen Gags und Scherze sehr unterschiedlich aufnehmen. Was der eine brüllend komisch findet, erlebt ein anderer als Beleidigung.

Eines muss sich jeder Redner, der eine komische Rede halten will, klarmachen: Anders als beim Auftritt eines Komikers geht es bei einer lustigen Rede nicht in erster Linie darum, komisch zu sein.

Unterhaltung ist in aller Regel nicht das vorrangige Ziel. Der Humor dient lediglich dazu, die Botschaft des Redners zu transportieren. Das bedeutet auch, dass ein Witz, und wenn er noch so gut ist, aus dem Redemanuskript gestrichen werden muss, wenn er mit der Botschaft des Redners nicht im Einklang steht. Auch muss jede noch so donnernde Pointe raus, die Potenzial hat, Menschen im Publikum zu verletzen oder zu beleidigen.

Kaum etwas schadet dem Redner und seinem Anliegen mehr, als wenn seine Zuhörer nach der Rede nicht über seine Botschaft diskutieren, sondern darüber, ob ein bestimmter Witz möglicherweise unpassend gewesen sein könnte.

Wie ein Gag vom Publikum aufgenommen wird, lässt sich nur durch einen Test herausfinden. Kein Gag sollte öffentlich erzählt werden, ohne dass er zuvor mindestens drei Testpersonen vorgetragen wurde. Diese Testpersonen sollten zu derselben Personengruppe gehören, der auch das Publikum angehört.

2. Nicht übertreiben

Weniger ist mehr, jedenfalls wenn es darum geht, Gags in eine Rede einzubauen. Wenn ein professioneller Komiker auf der Bühne steht, dient sein Vortrag nur einem Ziel: Er will sein Publikum unterhalten. Der Witz ist ein Selbstzweck. Wenn das Publikum lacht, ist der Zweck des Komikers erreicht.

Dem Redner geht es um seine Botschaft. Zu viele Gags können von dieser Botschaft ablenken. Hat der Redner zu einem Punkt in seiner Rede mehrere gute Gags parat, sollte er sich für einen entscheiden und die anderen streichen.

Zu viele Witze über ein Thema langweilen die Zuhörer. Schlimmer noch: Sie lenken ab von dem, was der Redner eigentlich sagen will. Ein Redner, der verhindern will, dass er sein Publikum mit seinen Witzen nervt, sollte diese in seiner Rede mit größter Vorsicht platzieren.

3. Die eigenen Erwartungen dämpfen

Viele Redner müssen sich von dem Gedanken verabschieden, sie könnten oder müssten so witzig sein wie die Leute im Fernsehen. Das ist schlicht eine überzogene Erwartung. Wenn Harald Schmidt zu Beginn seiner Show fünf Minuten lang Witze vorträgt, haben 30 professionelle Comedy-Autoren daran gearbeitet.

Teilweise kann seine Redaktion aus über 500 Witzen die besten aussuchen, von denen der Entertainer nur die allerbesten vorträgt. Zudem macht der Vortragsstil noch einmal gut 50 Prozent des Lacherfolges bei einem Witz aus.

Schmidt und andere Komiker im Fernsehen sind die besten Witzeerzähler, die es in Deutschland gibt. Sie haben mitunter Jahrzehnte dafür geübt. Für denjenigen Redner, der mit der Erwartung an seinen Vortrag herangeht, er müsse ähnlich gut sein wie die Profis, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Auch beim Schreiben komischer Reden sollten die Erwartungen nicht zu hoch angesetzt werden. Beim Schreiben ist Erfolgsdruck sogar hinderlich. Denn Druck führt zu Anspannung. Im Sport und bei vielen anderen Aufgaben mag Druck leistungssteigernd wirken. Doch beim Schreiben von Gags führt Druck zu Lähmung und Blockaden.

Um lustige Ideen produzieren zu können, muss der Geist frei assoziieren können. Das bedeutet nicht, dass das Schreiben komischer Texte keine Disziplin erfordert. Im Gegenteil. Doch hier gilt die Regel: Masse statt Klasse.

Dem Redenschreiber hilft es, zunächst so viele Gags wie möglich zu produzieren. Anschließend werden die besten ausgewählt.

Der Redner und Redenschreiber sollten sich nicht mit Entertainern oder professionellen Comedy-Autoren vergleichen. Es ist deren Beruf, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Aufgabe von Redner und Redenschreiber ist es hingegen, dem Publikum eine bestimmte Botschaft näher zu bringen.

Anstatt sich allzu großen Druck und Erwartungen auszusetzen, sollte die Rede lieber einem Testpublikum vorgetragen werden. Dabei wird man feststellen, dass es gar nicht so schwierig ist, den Zuhörern ein Lachen oder sogar einen Schenkelklopfer zu entlocken.

4. Der Humor muss zum Publikum passen

Oft fällt es dem Redner oder seinem Redenschreiber gar nicht schwer, sich ein paar lustige Sprüche für die Rede auszudenken. Problematisch wird es aber bei der Frage, ob das Publikum diese Witze genauso komisch finden wird wie der Urheber.

Jugendliche haben einen anderen Humor als Senioren. Ein Witz, der beim Ärztetag super ankommt, kann unter Krankenhauspatienten Buh-Rufe auslösen. Darum ist es bei der humorvollen Rede noch wichtiger als bei jeder anderen Ansprache, dass der Redner sich die Frage stellt, wer im Publikum sitzen wird und welche Erwartungen diese Menschen mit der Rede verbinden.

Dabei lässt sich bei jedem Witz relativ leicht ermitteln, ob das ihn Publikum mögen und verstehen wird. Nach der Humorformel besteht ein guter Gag aus Schmerz und Logik. Menschen lachen vorzugsweise darüber, dass einem anderen etwas Schlimmes passiert. Doch sie lachen nur, wenn sie zu dem schrecklichen Ereignis einen gewissen Abstand haben.

Ein Beispiel: Liegt ein Patient im Krankenhaus. Der Mann im Nebenbett stöhnt und stöhnt. Da fragt der Patient die Schwester: „Können Sie den denn nicht ins Sterbezimmer legen?“ Da sagt die Schwester: „Was meinen Sie denn, wo Sie hier liegen?“

Diesen Witz werden die meisten Menschen spätestens dann nicht mehr komisch finden, wenn sie selbst im Krankenhaus liegen. Dann fehlt ihnen die nötige Distanz.

Witze werden außerdem dadurch lustig, dass zu dem schrecklichen Ereignis eine neue, logische und überraschende Betrachtungsweise vorgetragen wird. Im Beispiel oben ist es für den Zuhörer überraschend zu erfahren, dass der Patient, der sich am Stöhnen des Zimmergenossen stört, selbst im Sterbezimmer liegt und wohl selbst bald das Zeitliche segnen wird.

Um diesen Witz zu verstehen, muss der Zuhörer aber selbst einmal in einem Krankenhaus mit Mehrbettzimmern gewesen sein. Ein Kind, das noch nie in einem Krankenhaus war, wird die Logik des Witzes nicht verstehen.

Wer komische Reden schreiben will, die beim Publikum ankommen, muss sich darum immer fragen, ob die Zuhörer zu den schmerzhaften Aspekten des Witzes genügend Distanz haben und ob sie die im Witz enthaltene Logik nachvollziehen können.

5. Der Humor muss zum Redner passen

Hier geht es weniger um die Persönlichkeit des Redners als um seine Stellung. Wenn der Präsident der USA selbstironisch wird, um die Distanz zwischen sich und dem Publikum zu verkleinern, macht ihn das sympathisch. Wenn ein politischer Neuling bei seiner ersten Rede selbstironisch wird, um seine Nervosität zu überspielen, dann wirkt das eher peinlich.

Ronald Reagan wählte für eine Rede vor über 100 Lehrern im Garten des Weißen Hauses folgenden Einstieg: „Ich bin schon seit langer Zeit aus der Schule heraus, aber in der Gegenwart von so vielen Lehrern fühle ich mich immer noch sehr unsicher.“

Der mächtigste Mann der Welt wird unsicher, wenn er vor einer Gruppe von Lehrern spricht. Bodenständiger geht’s kaum. (Lesen Sie auch: Teil 5: Lustige Reden in der Politik). Wenn ein junger Lokalpolitiker diesen Satz bei einer Rede zum Sommerfest der örtlichen Schule sagt, wirkt er wie ein Schleimer.

An welchen fünf Stellen in der Rede Humor besonders effektiv eingesetzt werden kann, erfahren Sie im vierten Teil der Artikelserie „Reden mit Humor“.

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Unternehmenslenker als Geschichtenerzähler

DAX Vorstände entdecken die Macht des Geschichtenerzählens. Die Hauptversammlungsreden dieses Frühjahrs zeigen offenbar  zaghafte Ansätze von Storytelling. Das jedenfalls will die resonanz-agentur bei einer Studie für den Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) beobachtet haben.

So richtig spannend sind die Reden der CEOs auf den Hauptversammlungen wohl immer noch nicht gewesen. Doch den einen oder anderen Zuhörer sollen sie in Hauptversammlungssaison 2014 tatsächlich aus dem Wachkoma erweckt haben.

Ein Artikel von Frank Vogelgesang auf in der Internetseite Huffington Post liefert weitere Informationen den Nutzen, den Führungskräfte haben, wenn sie hin und wieder einfach einmal eine Geschichte erzählen.

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