Rede zum Schulabschluss: Nichts Besonderes?

Es ist Frühsommer und nicht nur in Deutschland werden in diesen Wochen Abiturreden gehalten. Überall auf der Welt feiern junge Menschen ihren Schulabschluss und überall auf der Welt halten nicht mehr ganz so junge Menschen Reden zu diesem Anlass. In diesem Jahr stieß eine der Abschlussreden auf besondere Aufmerksamkeit und bemerkenswerter Weise trägt gerade diese Ansprache die Überschrift: Nichts Besonderes.

Doch die Rede, die der Bostoner Englischlehrer David McCullough Jr. zum Schulabschluss an seine Schüler richtete, ragt heraus aus der Masse der High-School-Abschluss- und Abiturreden – und das nicht nur weil das Video mit McCullough’s Rede auf YouTube bereits über eine halbe Millon Mal angeklickt wurde. Anstatt das zu tun, was jeder von ihm erwartet, nämlich seine Schüler zu loben und ihnen zum Schulabschluss zu gratulieren, geht McCullough einen anderen Weg. Er sagt seine Meinung und riskiert Widerspruch. Ein paar wohldosierte Späße zu Beginn, dann holt der Englischlehrer zum Rundumschlag aus: „Denkt bloß nicht, ihr wärt etwas Besonderes“, ruft er seinen Schülern zu und hält ihnen vor, jahrelang verhätschelt, verwöhnt und umschwärmt worden zu sein.

Doch ein außergewöhnliches Leben sei nichts, das bei einem Party-Service bestellt werden könne, so McCullough. Das in der amerikanischen Verfassung als unveräußerliches Recht verbriefte Streben nach Glück sei ein aktiver Prozess, der wenig Zeit lasse, um auf YouTube skateboardfahrende Papageien anschauen. David McCullough  gelingt es, seine Zuhörer mit seiner Rede zu begeistern. Nicht nur im Internet, sondern auch auf der Schulwiese in Boston, wo seine Worte von seinen Schülern mit donnerndem Applaus bedacht wurden. Diese Rede setzt Maßstäbe. Sie zeigt, dass jede Rede eine Gelegenheit bietet, um seine Botschaft zu verbreiten – sofern man eine hat. Hoffentlich bekommen viele Schüler des Abiturjahrganges 2012 eine so gute Abschlussrede zu hören wie die von David McCullough.

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